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Mont Maudit - the route Éperon Gousseault (July 2002)
Album

Mont Maudit - the route Éperon Gousseault (July 2002)

 
Mont Maudit - the route Éperon Gousseault (July 2002)

Page Type: Album

Object Title: Mont Maudit - the route Éperon Gousseault (July 2002)

Image Type(s): Alpine Climbing

 

Page By: hiltrud.liu

Created/Edited: Mar 2, 2009 / Jun 26, 2013

Object ID: 494309

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Mont Maudit - Opening of the new route "Éperon Gousseault"

by Ivano Ghirardini and Rahel Maria Liu (July 2002)
Copyright by Rahel Maria Liu (excerpt)






Mont Maudit with the Éperon Gousseault Route






  • The first day: Saturday, July 27th, 2002

    Start on Aiguille du Midi, approach to the bivouac place on Col de la Brenva by traversing Mont Blanc du Tacul and Col du Mont Maudit on the normal routes.
    Bivouac on Col de la Brenva (4303m).





Aiguille du MidiMont Blanc du TaculRock Triangle of Mont Blanc du TaculOn Col Maudit





Mont Maudit with its NorthflankMont Blanc, watched from Mont MauditBossesridge on Mont Blanc





  • The beginning of the second day: Sunday, July 28th, 2002

    Approach from Col de la Brenva to the
    beginning of the new route
    "Éperon Gousseault" on Mont Maudit.
    The adventure of the attempt of a new route on Mont Maudit can start ...







Mont Blanc during sunrise





Approach to Éperon GousseaultÉperon GousseaultRoute Éperon GousseaultMont Blanc, watched from Éperon Gousseault





  • Still Sunday, July 28th, 2002

    Opening the new route Éperon Gousseault on Mont Maudit ...
    End of the second day. Second Bivouac on Col de la Brenva after a successful climbing day





Rahel in the third pitchIvano in...Éperon GousseaultRahel in the upper partCornices of Mont Maudit







Sunset on Col de la Brenva






  • The third and last day: Monday, July 29th, 2002

    Descent from Col de la Brenva
    via Mont Blanc, Aiguille du Goûter, and Dôme du Goûter. Happy end of the story and party with much red wine on Ref. Tete Rousse together with the guardian of the hut and the architect of the new hut till after midnight






Mont Maudit with Éperon GousseaultBossesridgeMont Blanc de CourmayeurRahel on...Bossesridge, descending Mont Blanc






Bossesridge of Mont Blanc


Mitteilungen der Sektion Ulm des DAV, 3/2002



Mont Maudit Tripreport

Last update: August, 8th, 2002
Copyright by Rahel Maria Liu


Eröffnung einer neuen Route auf den Mont Maudit: Éperon Gousseault

Am Samstag, dem 27. Juli 2002, war es endlich soweit: Nach wochenlangem Warten auf ein passendes Wetterfenster mit der Vorhersage für mehrere Tage an sehr gutem Wetter brachen Ivano Ghirardini (ein befreundeter Bergführer aus Frankreich – Chamonix und Provence) und ich zu unserem seit einigen Monaten geplanten Unternehmen auf, der gemeinsamen Eröffnung einer neuen Route auf den Mont Maudit. Eigentlich hatten wir uns eine Route in der NW-Wand des Mont Maudit vorgenommen, von der sich dann aber noch rechtzeitig herausstellte, daß sie bereits begangen worden war. So fiel unsere Entscheidung schließlich auf die noch völlig unerschlossene SW-Wand des Mont Maudit (Pointe Mieulet). Die endgültige Entscheidung der konkreten Route fiel aber erst am eigentlichen Klettertag.Mit sehr schweren Rucksäcken mit Fels- und Eisausrüstung sowie Ausrüstung für mehrere Biwaks brachen wir nun am Morgen in Chamonix auf – gleich mit der ersten Panne, die wie ein ungünstiges Omen erschien, letztlich aber die einzige Panne bleiben sollte: Ivanos altersschwaches Auto ließ uns im Stich und strafte uns beim Startversuch mit Stillschweigen. Die mehreren Stunden Laptopbenutzung mit Hilfe der Autobatterie am Tag zuvor waren wohl doch etwas zuviel gewesen .... beim wenig angenehmen Fußmarsch über die Asphaltstraßen von Chamonix fing mein nagelneuer Rucksack dann auch direkt an, mich an allen Ecken und Enden zu plagen – es konnte also alles nur noch besser werden .....

Nachdem uns die Seilbahn zusammen mit vielen Touristen auf die Aiguille du Midi gebracht hatte, stand uns nun der Anmarsch zu unserem ersten Biwak am Col de la Brenva auf 4303m, ca. 500 Höhenmeter unterhalb des Mont Blancs, bevor. Nach einem kurzen Schwatz mit einer Gruppe von Böblingern aus der Nähe meines Wohnortes (so klein ist die Welt ....), die gerade die Aiguille du Midi von der Mer de Glace erreichten, machten wir uns auf den Weg. Da wir als Freunde kletterten, Ivano also nicht in Bergführerfunktion unterwegs war, konnten wir beide in den Genuß von nicht lehrbuchmäßiger Begehung der vergletscherten Normalwege auf Mont Blanc du Tacul und Mont Maudit ohne Seilbenutzung kommen.Wir genossen die Sonne und den strahlend blauen Himmel und ich noch etliche Smalltalks mit einigen Gruppen deutschsprechender Kletterer, die wir passierten. Gemütlich erreichten wir via Mont Blanc du Tacul und Mont Maudit bzw. Col du Mont Maudit am Nachmittag unseren Biwakplatz am Col de la Brenva. Unsere Bemühungen beim Schneeschaufeln für den Biwakplatz stellten sich hinterher als nicht so sonderlich erfolgreich heraus. Ich lag mit dem Kopf deutlich nach unten, was gerade in dieser Höhe über eine ganze Nacht lang hinweg wohl nicht so sehr angenehm geworden wäre. Wir mußten in inverser Richtung schlafen, da mein 1-Personen-Zelt nicht mehr Platz bot. Also funktionierte ich kurzerhand meine Koflach Plastik Schuhe zu einem Kopfkissen um – und schlief wirklich sehr gemütlich in der nun folgenden Nacht. Wir waren beide sehr gut akklimatisiert, so daß wir keine Probleme mit der Höhe hatten, was nicht so selbstverständlich ist. Ich hatte einige Tage zuvor 5 Nächte auf der Turiner Hütte verbracht und war mit verschiedenen Personen aus der Bergsteigergruppe der Sektion Ulm den Rochefortgrat, die Nordwand der Tour Ronde und die Dent du Géant geklettert. Ivano hatte in den Wochen zuvor mehrfach Personen auf den Mont Blanc geführt.

Wir brachen relativ spät am nächsten Morgen auf, da wir in der Sonne klettern wollten. Scharen von Mont Blanc Anwärtern hatten wir in der Früh schon den Col de la Brenva passieren gehört. Nun schauten wir uns noch eine Hubschrauberbergung eines höhenkranken Bergsteigers vom Col de la Brenva an, bevor wir gegen 10.30 Uhr in NW-Richtung über den Gletscher „Le Corridor“ losmarschierten. Erst hier fiel die endgültige Entscheidung für eine sehr logische Route durch die SW-Wand: einen Felssporn von knapp 300m Höhe. Gegen 12 Uhr stiegen wir in die Route ein. Die erste Seillänge vom Bergschrund auf ca. 4010m bis zum Felssporn war Schnee-/Eiskletterei in etwa 45° bis 50° steilem Gelände. Mit der zweiten Seillänge begann der Felsteil im IV. Schwierigkeitsgrad. Die folgende dritte Seillänge sollte die schwierigsten Passagen der gesamten Route mit Grad V liefern. Da wir mit unseren Koflach Plastikschuhen kletterten (wir hatten mit Absicht keine anderen Kletterschuhe dabei), war diese Seillänge für mich durchaus eine Herausforderung. Für Ivano war es eine Leichtigkeit, nachdem er auf eben diese Weise u.a. in einem Winter die Nordwände von Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses solo durchstiegen hatte. Es kam für mich aber nicht überraschend, sondern ich hatte dies vielmehr erwartet und mich dementsprechend vorbereitet: Als ich mit Jürgen aus der Bergsteigergruppe den Normalweg auf die Dent du Géant (bis V+ ohne Fixseilbenutzung) geklettert war, hatte ich auch ausschließlich meine Koflach Schalenschuhe benutzt. Gefallen an dieser Art von Kletterei hatte ich bereits eine weitere Woche zuvor gefunden, während derer ich in der Provence mit Ivano zusammen etliche Felskletterrouten bis zum V. Schwierigkeitsgrad mit steigeisenfesten Schuhen geklettert war – es macht wirklich Spaß!!!Nach der Schlüsselseillänge wurde es dann gemütlicher mit Felskletterei im 3. Schwierigkeitsgrad. Doch plötzlich beschleunigte sich mein Herzschlag – was war das? Ein weißes Band in einem Felsbrocken verklemmt .... da war doch nicht etwa jemand vor uns ... ich rief Ivano, der schon weiter oben war. „Take it with you! It’s from a balloon.“, schallte es herab. Auch er hatte es gesehen und gleich bemerkt, daß es sich um einen Luftballonanhänger handelte. Das Schulkind einer Grundschule aus Annecy wird sich wundern, wenn es erfährt, wo sein Ballon gelandet ist. Wir setzten unsere Kletterei im Fels (Grad III) fort und erreichten nach insgesamt 14 Seillängen (im oberen Teil auch etwas Schnee-/Eisklettererei bis ca. 50°) und ca. 5 Stunden Kletterzeit vom Einstieg an gerechnet den NW-Grat des Mont Maudit auf ca. 4315m Höhe, dem wir weiter bis zum Col du Mont Maudit folgten. Einen Felshaken, einen großen Friend und eine Bandschlinge, die wir nicht mehr entfernen konnten, ließen wir in der Route zurück. Den Col de la Brenva erreichten wir wieder gegen 18.30 Uhr, wo wir uns zu einem gemütlichen Abendessen mit wunderbarem Panorama und in völliger Einsamkeit niederließen, was in diesem Platz bei bestem Wetter eine Rarität ist. Wir freuten uns über unseren Erfolg. Da die Sonne am Morgen erst sehr spät die Wand erreicht hatte und wir dementsprechend spät aufgebrochen waren, hatte sich unsere ursprüngliche Überlegung erledigt, nämlich das zweite Biwak auf dem Gipfel des Mont Blanc zu machen.

Dennoch ließen wir uns am nächsten Tag den Spaß nicht nehmen, unsere schweren Rucksäcke statt auf kürzestem Weg über die Aiguille du Midi ins Tal zu bringen, über den Mont Blanc zu schleppen. Wir ließen uns am Morgen sehr viel Zeit, standen spät auf, genossen ein ausgiebiges Frühstück und nochmal das wunderbare Panorama, bevor wir um 12 Uhr in Richtung Mont Blanc aufbrachen. Wir waren wohl die Letzten gewesen, die an diesem Tag den Mont Blanc auf dieser Route erreichten. So war es uns auch vergönnt, einige Minuten alleine auf dem Gipfel des Mont Blanc bei Sonnenschein zu verbringen, bevor wir über den Bossesgrat und die Aiguille du Goûter bis zur Tête Rousse Hütte abstiegen. Zusammen mit dem Hüttenwirt und dem Architekten der im Bau befindlichen neuen Hütte feierten wir dann mit reichlich Rotwein unsere gelungene Eröffnung der neuen Route auf den Mont Maudit bis spät in die Nacht hinein.

Wir gaben der Route den Namen „Éperon Gousseault“ im Gedenken an den Bergführer Gousseault aus der Provence, der 1971 im Alter von 24 Jahren beim Versuch einer Routenneueröffnung durch die Nordwand der Grandes Jorasses ums Leben kam.
Rahel Maria Liu
(published in: Mitteilungen der Sektion Ulm des DAV, 3/2002, pp. 16-19)


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